Warum wir im Herbst häufiger krank werden – und es liegt nicht nur an den Viren
Kälte, trockene Luft, Schleimhäute und Vitamin D: Was sich mit dem Ende des Sommers verändert
„Zieh dich warm an, sonst erkältest du dich!“
Diesen Satz haben vermutlich Generationen von Kindern gehört. Später hieß es dann oft: Das ist Unsinn. Kälte macht nicht krank – Viren machen krank.
Stimmt. Zumindest teilweise.
Denn für eine Virusinfektion brauchen wir natürlich einen Erreger. Aber inzwischen wissen wir auch: Es macht einen Unterschied, unter welchen Bedingungen dieser Erreger auf unsere Schleimhäute trifft.
Eine Erkältung durch Kälte im eigentlichen Sinne gibt es also nicht – trotzdem kann Kälte eine Infektion offenbar begünstigen.
Und genau diese Bedingungen verändern sich im Herbst.
Kalte und trockene Luft können die natürliche Abwehr unserer Atemwege beeinflussen. Gleichzeitig verbringen wir wieder mehr Zeit in geschlossenen Räumen, bekommen weniger Sonnenlicht – und die körpereigene Vitamin-D-Produktion geht langsam ihrem Wintertief entgegen.
Der Herbst bringt also nicht plötzlich mehr „Krankheit“ mit sich. Vielmehr verändern sich gleich mehrere Faktoren, die darüber mitentscheiden können, wie leicht Viren auf uns überspringen – und wie gut unser Körper ihnen etwas entgegensetzen kann.
Schauen wir uns das einmal genauer an.
Viren machen keinen Sommerurlaub
Rhinoviren, Coronaviren und andere Erreger, die Atemwegsinfekte verursachen können, verschwinden im Sommer nicht einfach. Trotzdem treten viele Atemwegsinfektionen in unseren Breiten vor allem in der kälteren Jahreszeit gehäuft auf.
Warum?
Eine einzige Erklärung dafür gibt es nicht.
Wenn es draußen kälter und ungemütlicher wird, verbringen wir wieder mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Fenster bleiben häufiger geschlossen, Menschen sitzen länger gemeinsam in Büros, Klassenzimmern, Restaurants oder Wohnzimmern. Damit ergeben sich natürlich mehr Möglichkeiten, Atemwegsviren von Mensch zu Mensch weiterzugeben.
Aber das allein erklärt die typische Erkältungszeit nicht.
Denn gleichzeitig verändern sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit – und damit sowohl die Bedingungen für manche Viren als auch die Bedingungen für unsere eigene Abwehr.
Und dabei spielt ausgerechnet unsere Nase eine erstaunlich wichtige Rolle.
Unsere Nase kann viel mehr, als wir denken
Unsere Nase ist nicht einfach nur eine Eintrittspforte für Viren. Sie gehört zu unserer ersten Verteidigungslinie gegen Krankheitserreger.
Die Schleimhaut fängt Fremdstoffe und Erreger ab. Winzige Flimmerhärchen transportieren das Material anschließend wieder Richtung Rachen. Gleichzeitig stehen dort zahlreiche Mechanismen unserer angeborenen Immunabwehr bereit.
Und Forscher haben noch einen besonders spannenden Abwehrmechanismus entdeckt.
Sobald Zellen der Nasenschleimhaut bestimmte virale Signale erkennen, können sie große Mengen winziger Bläschen freisetzen – sogenannte extrazelluläre Vesikel.
Diese Vesikel können unter anderem Viren binden und antivirale Moleküle transportieren.
Vereinfacht könnte man sich das so vorstellen:
Unsere Nase schickt bei einem viralen Angriff eine ganze Armee winziger Abwehrpakete los.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Wie gut dieser Abwehrmechanismus funktioniert, hängt offenbar auch von der Temperatur in unserer Nase ab.
Kälte kann unsere Abwehr in der Nase schwächen
Was passiert nun, wenn wir kalte Luft einatmen?
Forscher haben bei gesunden Menschen gemessen, wie stark die Temperatur in der Nase sinkt, wenn die Umgebungstemperatur von etwa 23 auf gut 4 °C fällt. Tatsächlich kühlten Bereiche der Nasenschleimhaut dabei um mehrere Grad ab.
Anschließend untersuchten die Wissenschaftler im Labor, was eine solche Abkühlung für die zuvor beschriebenen „Abwehrpakete“ bedeutet.
Das Ergebnis war bemerkenswert:
Bei 32 °C funktionierte dieser antivirale Mechanismus deutlich schlechter als bei 37 °C. Die Zellen setzten weniger der schützenden Vesikel frei, und auch deren antivirale Ausstattung veränderte sich. Gegen verschiedene untersuchte Atemwegsviren war die Abwehrwirkung bei der niedrigeren Temperatur vermindert.
Kalte Luft kann also tatsächlich einen Teil unserer lokalen Virusabwehr in der Nase beeinträchtigen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass wir uns allein durch Kälte eine Erkältung „holen“. Ohne Viren keine Virusinfektion.
Aber wenn ein Virus bereits auf unsere Schleimhäute trifft, könnte es durchaus einen Unterschied machen, wie gut die erste Verteidigungslinie gerade funktioniert.

Und was ist mit den berühmten kalten Füßen?
Hier muss ich ein persönliches Beispiel einschieben.
Ich kenne das von mir sehr deutlich: Bekomme ich längere Zeit richtig kalte Füße, dauert es meistens nicht lange, bis die Nase läuft und der Hals zu kratzen beginnt.
Einbildung?
Nein, tatsächlich nicht.
Es gibt Hinweise darauf, dass ein starker Kältereiz an den Füßen auch Reaktionen in der Nase auslösen kann.
Besonders interessant ist eine randomisierte Studie mit 180 gesunden Teilnehmern. Die Hälfte stellte ihre Füße für 20 Minuten in kaltes Wasser, während die Kontrollgruppe ihre Schuhe und Socken anbehielt.
In den folgenden vier bis fünf Tagen berichteten 13 von 90 Teilnehmern der Kältegruppe über eine Erkältung – gegenüber 5 von 90 in der Kontrollgruppe. Auch die insgesamt berichteten Erkältungssymptome waren in der Kältegruppe stärker ausgeprägt.
Allerdings gibt es dabei einen wichtigen Haken:
Die Forscher untersuchten nicht, ob tatsächlich eine neue Virusinfektion entstanden war. Und unmittelbar nach dem Abkühlen nahmen die Erkältungssymptome in dieser Studie nicht zu.
Die Autoren diskutierten deshalb unter anderem die Möglichkeit, dass bei manchen Menschen bereits vorhandene, zunächst unbemerkte Infektionen durch die Abkühlung symptomatisch werden könnten. Bewiesen ist dieser Mechanismus bislang nicht – erscheint mir aber mehr als logisch.
Wahrscheinlich ist es so, dass wir immer von einer gewissen Anzahl von Keimen besiedelt sind – die nur darauf warten, dass unser Immunsystem schwächelt und sie sich vermehren können.
Trotzdem ist das Ergebnis spannend.
Kalte Füße produzieren natürlich keine Erkältungsviren. Aber dass ein kräftiger Kältereiz für unsere Atemwege völlig bedeutungslos ist, lässt sich ebenso wenig behaupten.
Vielleicht steckt hinter dem alten Rat „Halt deine Füße warm!“ also doch mehr als nur Großmutters Fürsorge.
Trockene Heizungsluft – Stress für unsere Schleimhäute
Mit den kühleren Tagen beginnt irgendwann auch wieder die Heizperiode. Und damit entsteht ein weiteres Problem für unsere Atemwege: Die Raumluft kann sehr trocken werden.
Das klingt zunächst paradox. Schließlich ist es draußen im Herbst und Winter häufig feucht, neblig oder regnerisch.
Entscheidend ist aber nicht nur die relative, sondern auch die absolute Luftfeuchtigkeit.
Kalte Luft kann wesentlich weniger Wasserdampf aufnehmen als warme Luft. Kommt kalte Außenluft ins Haus und wird dort erwärmt, sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit – teilweise erheblich.
Und genau das bekommen unsere Schleimhäute zu spüren.
Unsere Atemwege haben ein eingebautes Reinigungssystem
Die Schleimhäute von Nase und Atemwegen sind mit einer dünnen Schleimschicht bedeckt. Darunter sitzen unzählige winzige Flimmerhärchen – die sogenannten Zilien.
Sie bewegen sich koordiniert und transportieren den Schleim mitsamt Staub, Fremdstoffen und eingefangenen Krankheitserregern Richtung Rachen.
Dieser Vorgang heißt mukoziliäre Clearance.
Man könnte ihn auch wesentlich einfacher beschreiben:
Unsere Atemwege besitzen ein eigenes kleines Reinigungssystem.
Was passiert bei sehr trockener Luft?
Experimentelle Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass niedrige Luftfeuchtigkeit mehrere Schutzmechanismen der Atemwege beeinträchtigen kann.
In einer Studie aus dem Jahr 2019 hielten Forscher Mäuse bei unterschiedlicher Luftfeuchtigkeit und infizierten sie anschließend mit Influenza-A-Viren.
Bei niedriger Luftfeuchtigkeit funktionierte die mukoziliäre Reinigung schlechter. Gleichzeitig waren Teile der angeborenen antiviralen Abwehr und die Reparatur des geschädigten Atemwegsepithels beeinträchtigt.
Die Tiere waren dadurch anfälliger für einen schweren Krankheitsverlauf.
Natürlich sind Mäuse keine Menschen – deshalb darf man diese Ergebnisse nicht einfach eins zu eins auf uns übertragen.
Der grundlegende Zusammenhang ist dennoch plausibel: Eine gut funktionierende, ausreichend befeuchtete Schleimhaut gehört zu unseren wichtigsten Barrieren gegen eingeatmete Krankheitserreger.
Trockene Luft beeinflusst auch Viren und Aerosole
Die Luftfeuchtigkeit beeinflusst nicht nur unsere Schleimhäute, sondern auch das Verhalten von Tröpfchen und Aerosolen – und bei manchen Atemwegsviren deren Stabilität und Übertragung.
Allerdings reagieren verschiedene Viren unterschiedlich auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Die einfache Aussage
„Trockene Luft = mehr Viren“
wäre deshalb zu pauschal.
Wir sehen aber erneut dasselbe Muster:
Im Herbst und Winter verändern sich gleich mehrere Bedingungen gleichzeitig – und einige davon können Atemwegsinfektionen begünstigen.
Müssen wir jetzt alle Luftbefeuchter aufstellen?
Nicht unbedingt.
Sehr trockene Raumluft zu vermeiden, kann aber für die Schleimhäute angenehm und sinnvoll sein. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass möglichst hohe Luftfeuchtigkeit automatisch besser wäre.
Denn dauerhaft zu hohe Feuchtigkeit begünstigt wiederum Schimmel und andere Probleme im Wohnraum.
Regelmäßig lüften, Räume nicht unnötig überheizen und bei trockenen oder gereizten Nasenschleimhäuten auf ausreichende Befeuchtung achten, sind einfache Maßnahmen.
Auch Kochsalz-Nasensprays oder Nasenspülungen können bei trockenen Nasenschleimhäuten hilfreich sein.

Und dann wird auch noch das Sonnenlicht knapp
Mit dem Herbst verändert sich ein weiterer Faktor: Die Sonne steht immer tiefer.
Für die körpereigene Bildung von Vitamin D benötigen wir UVB-Strahlung im Bereich von etwa 290 bis 315 Nanometern.
Das Problem: Je tiefer die Sonne steht, desto länger ist der Weg der UVB-Strahlen durch die Atmosphäre. Dabei wird ein immer größerer Anteil herausgefiltert.
Deshalb kann ein wunderschöner sonniger Wintertag zwar unserer Stimmung guttun – für die Vitamin-D-Produktion kann die Sonne trotzdem zu schwach sein.
Wann beginnt bei uns der „Vitamin-D-Winter“?
Eine exakte Kalendergrenze gibt es nicht.
Deutschland liegt ungefähr zwischen dem 47. und 55. Breitengrad. Das Robert Koch-Institut gibt als grobe Orientierung an, dass hierzulande eine körpereigene Vitamin-D-Bildung etwa von März bis Oktober möglich ist.
Aber das bedeutet natürlich nicht:
Am 31. Oktober bilden wir Vitamin D – und am 1. November plötzlich keines mehr.
Der Übergang ist fließend.
Wie viel Vitamin D wir tatsächlich bilden können, hängt unter anderem von Breitengrad, Jahreszeit, Tageszeit, Bewölkung, Hauttyp, Kleidung und der Größe der unbedeckten Hautfläche ab.
Und natürlich davon, ob wir überhaupt draußen sind.
Denn UVB-Strahlung dringt nicht ausreichend durch normales Fensterglas. Ein sonniger Arbeitsplatz hinter einer großen Fensterscheibe hilft unserer Vitamin-D-Produktion daher nicht.
Der September ist deshalb ein guter Zeitpunkt, sich eine Frage zu stellen:
Wie gut gefüllt ist mein Vitamin-D-Speicher eigentlich nach diesem Sommer?

Ein sonniger Sommer garantiert keinen guten Vitamin-D-Wert
Nur weil wir Sommer hatten, bedeutet das noch lange nicht, dass jeder mit gut gefüllten Vitamin-D-Speichern in den Herbst startet.
Wer den größten Teil des Tages im Büro verbringt, wenig Haut der Sonne aussetzt oder direkte Sonne weitgehend meidet, kann auch im Sommer nur begrenzt Vitamin D bilden.
Hinzu kommen individuelle Unterschiede.
Deshalb lässt sich der Vitamin-D-Status nicht zuverlässig danach beurteilen, ob jemand sagt:
„Ich war diesen Sommer doch viel draußen.“
Wer es wirklich wissen möchte, muss messen.
Bestimmt wird dafür der 25-OH-Vitamin-D-Wert [25(OH)D] im Blut. Er ist der gebräuchliche Laborparameter zur Beurteilung des Vitamin-D-Status.
Gerade der Spätsommer bzw. frühe Herbst ist dafür interessant: Jetzt zeigt sich, mit welchem Vitamin-D-Polster wir in die Monate starten, in denen die körpereigene Bildung zunehmend schwieriger und schließlich für einige Zeit kaum noch möglich wird.
Warum ist Vitamin D für die Immunabwehr überhaupt interessant?
Vitamin D ist keineswegs nur für Knochen und Calciumstoffwechsel zuständig.
Auch zahlreiche Zellen unseres Immunsystems besitzen Vitamin-D-Rezeptoren. Darüber hinaus können verschiedene Immun- und Epithelzellen 25-OH-Vitamin D lokal in die aktive Form 1,25-(OH)₂-Vitamin D umwandeln.
Vitamin D beeinflusst sowohl die angeborene als auch die erworbene Immunantwort. Besonders interessant ist seine Beteiligung an der Bildung sogenannter antimikrobieller Peptide, beispielsweise Cathelicidin.
Diese kleinen Eiweißmoleküle gehören zu unserem körpereigenen Abwehrsystem und kommen unter anderem an unseren Schleimhäuten vor.
Damit schließt sich der Kreis zu unserer Nase:
Vitamin D ist an Mechanismen beteiligt, die genau dort aktiv sind, wo viele Atemwegsviren zuerst auf unseren Körper treffen.
Bedeutet mehr Vitamin D automatisch weniger Erkältungen?
So einfach ist es leider nicht.
Dass Vitamin D wichtige Funktionen im Immunsystem besitzt, ist biologisch gut belegt. Daraus folgt aber noch nicht automatisch, dass die Einnahme von Vitamin D jede Erkältung verhindert.
Genau diese Frage wurde in zahlreichen randomisierten Studien untersucht – mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Eine große aktualisierte Metaanalyse aus dem Jahr 2025 wertete die Daten aus 40 placebokontrollierten Studien mit 61.589 Teilnehmern aus.
Im Gesamtergebnis konnte die Vitamin-D-Supplementierung das Risiko für akute Atemwegsinfektionen nicht statistisch signifikant reduzieren.
Interessant ist allerdings ein Detail:
In Studien mit täglicher Vitamin-D-Gabe zeigte sich in einer Untergruppenanalyse weiterhin ein statistisch signifikanter Schutz. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass sich daraus nicht sicher ableiten lässt, dass die tägliche Einnahme grundsätzlich wirksamer ist, denn im formalen Vergleich zeigte sich keine eindeutige Effektmodifikation durch die Dosierungsfrequenz.
Fraglich ist allerdings, wie diese ausgewerteten Studien aufgebaut waren. Da erfahrungsgemäß bei Studien immer nur sehr geringe Dosierungen verwendet werden und auch der erreichte Vitamin D Spiegel kaum eine Rolle spielt, ist die wirkliche Aussagekraft dieser Studien leider nicht besonders hoch.
Ich kann aus meiner Erfahrung in der Vitamin D Gruppe mit über 75000 Mitgliedern berichten, dass Vitamin D sehr wohl einen Einfluss darauf hat, ob man sich schnell eine Erkältung holt oder nicht. Sehr viele Mitglieder berichten, dass die Tage mit Erkältungskrankheiten sich mit Erreichen eines guten Vitamin D Spiegels + täglicher Supplementierung auf ein absolutes Minimum reduziert haben. Und das deckt sich auch mit meiner persönlichen Erfahrung – ich bin so gut wie nie krank.
Fassen wir also zusammen: Die Forschung sagt, es ist nicht nachgewiesen, dass Vitamin D tatsächlich vor Erkältungen schützt. Die Erfahrung aber zeigt, dass es bei sinnvoller, täglicher Anwendung auf jeden Fall das Immunsystem unterstützt und uns damit vor Erkältungen bewahrt.
Die entscheidende Frage ist nämlich tatsächlich, ob unser Körper ausreichend mit einem Stoff versorgt ist, den er für zahlreiche Immunfunktionen benötigt.
Was können wir jetzt für unsere Abwehr tun?
Wir können weder den Herbst aufhalten noch jedem Erkältungsvirus aus dem Weg gehen.
Aber wir können dafür sorgen, dass unsere körpereigene Abwehr unter möglichst guten Bedingungen arbeiten kann.
Raus ins Tageslicht
Auch wenn die UVB-Strahlung irgendwann nicht mehr für eine nennenswerte Vitamin-D-Bildung ausreicht, bleibt Sonnenlicht bzw. Tageslicht wichtig.
Unser Tag-Nacht-Rhythmus orientiert sich wesentlich am Licht. Wer dafür nach draußen geht, bekommt gleichzeitig Bewegung und frische Luft.
Schlaf ist Teil unserer Immunabwehr
Schlaf wird erstaunlich häufig unterschätzt.
In einer interessanten Untersuchung wurde zunächst die Schlafdauer gesunder Erwachsener objektiv erfasst. Anschließend wurden die Teilnehmer gezielt Rhinoviren ausgesetzt.
Menschen, die zuvor regelmäßig weniger als sechs Stunden geschlafen hatten, entwickelten deutlich häufiger eine Erkältung als Teilnehmer mit mehr als sieben Stunden Schlaf.
Ausreichender Schlaf ist also keineswegs verlorene Zeit – gerade für unser Immunsystem.
Schleimhäute pflegen
Regelmäßig lüften, Räume nicht unnötig überheizen und ausreichend trinken sind einfache Maßnahmen.
Bei sehr trockener Nasenschleimhaut können auch Kochsalz-Nasensprays oder Nasenspülungen angenehm sein.
Vitamin-D-Status kennen
Gerade der Spätsommer und frühe Herbst bieten sich an, den 25-OH-Vitamin-D-Wert einmal bestimmen zu lassen.
Empfehlenswerter Vitamin D Heimtest für Zuhause:
Denn jetzt zeigt sich, mit welchem Speicher wir in die sonnenarmen Monate starten.
Wie ein gemessener Wert einzuordnen ist und was bei einer Vitamin-D-Supplementierung zu beachten ist, habe ich ausführlich in meinem Beitrag „Vitamin D – Grundlagen“ beschrieben.
Mikronährstoffe nicht erst beachten, wenn die Nase läuft
Unser Immunsystem benötigt für seine Arbeit zahlreiche Mikronährstoffe.
Neben Vitamin D sind beispielsweise Vitamin A, Vitamin C, Zink und Selen an unterschiedlichen Immunfunktionen beteiligt.
Das bedeutet nicht, dass möglichst hohe Dosierungen automatisch besser schützen.
Viel sinnvoller ist eine andere Frage:
Ist mein Körper ausreichend mit dem versorgt, was er für eine normal funktionierende Abwehr benötigt?
Denn ein Mangel lässt sich nicht dadurch ausgleichen, dass wir erst dann über unsere Versorgung nachdenken, wenn der Hals bereits kratzt.
Kleiner persönlicher Tipp:
Wenn es bei mir im Hals kratzt und sich die ersten Anzeichen einer Erkältung bemerkbar machen, hilft mir am allerbesten das Propolisspray mit Manukahonig und Anis. Das ist in meinen Augen ein wahres Wundermittel.
Erkältung durch Kälte – macht Kälte nun also doch krank?
Kommen wir noch einmal zu unserer Ausgangsfrage zurück.
Kann man sich erkälten, weil man friert?
Nicht im wörtlichen Sinne. Eine Virusinfektion braucht einen Virus.
Aber inzwischen wissen wir auch, dass die andere Extremposition – „Kälte hat damit überhaupt nichts zu tun“ – zu einfach ist.
Kalte Luft kann die Temperatur in unserer Nase senken und damit Teile der lokalen antiviralen Abwehr beeinträchtigen. Trockene Raumluft kann unseren Schleimhäuten zusetzen. Gleichzeitig verbringen wir im Herbst wieder mehr Zeit gemeinsam in geschlossenen Räumen. Die Vitamin-D-wirksame UVB-Strahlung nimmt ab, und auch Schlaf, Bewegung und Tageslicht können sich mit der Jahreszeit verändern.
Die typische Erkältungszeit entsteht deshalb nicht durch einen einzigen Faktor.
Es ist das Zusammenspiel aus Erregern, Umweltbedingungen, unserem Verhalten und der Fähigkeit unseres Körpers, sich gegen diese Erreger zu verteidigen.
Und vielleicht dürfen wir deshalb am Ende auch einen der ältesten Gesundheitstipps ein kleines bisschen rehabilitieren:
„Zieh dich warm an – und halt die Füße warm!“
Nicht, weil warme Socken Viren fernhalten.
Sondern weil unser Körper auf Kälte offenbar doch etwas komplexer reagiert, als wir lange gedacht haben.

Quellen und weiterführende Literatur
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Randomisierte Studie mit 180 Teilnehmern zum Zusammenhang zwischen gezieltem Abkühlen der Füße und nachfolgenden Erkältungssymptomen.
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🔗 PubMed – Hansdottir & Monick 2011
🔗 Volltext bei PMC
DOI: 10.1016/B978-0-12-386960-9.00009-5
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Aktualisierte Metaanalyse randomisierter Studien zu Vitamin D und akuten Atemwegsinfektionen. In der placebokontrollierten Hauptanalyse mit 40 Studien und 61.589 Teilnehmern zeigte sich kein statistisch signifikanter Gesamtschutz.
🔗 PubMed – Jolliffe et al. 2025
DOI: 10.1016/S2213-8587(24)00348-6
Robert Koch-Institut (RKI): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D.
Informationen zur UVB-abhängigen körpereigenen Vitamin-D-Bildung, zur jahreszeitlich eingeschränkten Synthese in Deutschland und zum Vitamin-D-Status.
🔗 Robert Koch-Institut – FAQ Vitamin D



