Die Mandeln (Tonsillen)– unterschätzte Schutzorgane unseres Immunsystems
Wenn schnell zur Mandelentfernung geraten wird
Kaum ein Organ wird so schnell infrage gestellt wie die Mandeln (Tonsillen). Wiederkehrende Entzündungen, vergrößerte Mandeln oder häufige Infekte führen oft sehr schnell zu der Empfehlung, sie entfernen zu lassen – manchmal sogar schon im Kindesalter. Die Operation gilt als Routineeingriff, als pragmatische Lösung für ein lästiges Problem.
Was dabei jedoch selten thematisiert wird: Mandeln sind keine funktionslosen Relikte. Sie gehören zu den ersten und wichtigsten Kontaktstellen zwischen Umwelt und Immunsystem. Wer sie entfernt, greift in ein fein abgestimmtes Schutz- und Lernsystem ein – mit möglichen Folgen, die nicht immer sofort sichtbar werden.
Dieser Artikel lädt dazu ein, die Mandeln neu zu betrachten: nicht als Störfaktor, sondern als das, was sie sind – aktive Wächter des Immunsystems, deren Signale es zu verstehen lohnt.
Wenn von Mandeln die Rede ist, denken viele Menschen sofort an Halsschmerzen, Fieber, Eiterbeläge oder immer wiederkehrende Infekte. Nicht selten steht dann schnell der Gedanke im Raum: „Dann raus damit.“
Doch genau hier beginnt ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält – und das den Mandeln nicht gerecht wird.
Die Mandeln als Teil des Waldeyer-Rachenrings
Die Mandeln gehören zum sogenannten Waldeyer-Rachenring. Dabei handelt es sich um einen ringförmigen Verbund aus lymphatischem Gewebe im Nasen- und Rachenraum. Dieser Ring ist strategisch so platziert, dass er genau dort sitzt, wo Krankheitserreger bevorzugt in den Körper eindringen: über Mund und Nase.
Die Mandeln sind somit keine „passiven Mitläufer“, sondern aktive Wächter, die fortlaufend prüfen, filtern und kommunizieren.
Die Gaumenmandeln – sichtbar, aber oft missverstanden

Die bekanntesten Mandeln sind die Gaumenmandeln (Tonsilla palatina). Sie liegen rechts und links im hinteren Bereich der Mundhöhle und sind als einzige Mandeln gut sichtbar. Ihre zerklüftete Oberfläche vergrößert die Kontaktfläche erheblich – und genau das ist gewollt.
Hier wird alles überprüft, was über den Mund aufgenommen wird:
Nahrung, Keime, Fremdstoffe, aber auch harmlose Reize. Die Gaumenmandeln melden diese Informationen an das Immunsystem weiter und helfen ihm zu entscheiden, wie stark reagiert werden muss – oder ob überhaupt.
Die Mandeln sind Lernorte des Immunsystems
Vor allem im Kindesalter übernehmen Mandeln eine zentrale Rolle. Das Immunsystem ist zu diesem Zeitpunkt noch im Aufbau und braucht reale Reize, um zu lernen. Mandeln helfen dabei,
- Abwehrzellen zu aktivieren
- Antikörper zu bilden
- Immunreaktionen zu steuern
- Toleranz gegenüber harmlosen Stoffen zu entwickeln
Man könnte sagen: Mandeln trainieren das Immunsystem im Alltag.
Warum die Mandeln sich entzünden
Eine Mandelentzündung ist kein Beweis dafür, dass die Mandeln „nicht funktionieren“. Häufig ist sie vielmehr ein Zeichen dafür, dass sie überlastet sind.
Mögliche Gründe dafür sind:
- wiederholte Infekte ohne ausreichende Erholungsphasen
- eine geschwächte Darmflora
- Mängel an wichtigen Mikronährstoffen
- chronische Entzündungsreize
- Stress, Schlafmangel oder allgemeine Erschöpfung
Die Entzündung ist dabei meist ein Symptom, nicht die Ursache.
Die unsichtbaren Mandeln – und warum man sie oft vergisst
Neben den Gaumenmandeln gibt es weitere Mandeln, die im Alltag kaum Beachtung finden, weil sie nicht sichtbar sind:
- die Rachenmandel (Tonsilla pharyngealis), auch Adenoid genannt, hoch oben im Nasenrachenraum,
umgangssprachlich „Polypen“ - die Tubenmandeln (Tonsillae tubariae) beidseitig seitlich an der Öffnung der Ohrtrompete
- die Zungenmandel (Tonsilla lingualis) am Zungengrund, im Übergang zum Rachen
Diese Mandeln lassen sich im offenen Mund nicht sehen und werden deshalb oft unterschätzt. Dennoch sind sie immunologisch hochaktiv und übernehmen wichtige Schutzfunktionen – unter anderem für Atemwege und Mittelohr.
Gerade ihre Unsichtbarkeit macht deutlich: Nicht alles, was wichtig ist, ist auf den ersten Blick erkennbar.
„Polypen“ bei Kindern – in Wahrheit eine aktive Mandel (die Rachenmandel)
Wenn bei Kindern von „Polypen“ die Rede ist, entsteht schnell der Eindruck, es handle sich um etwas Überflüssiges oder Krankhaftes, das besser entfernt wird. Tatsächlich verbirgt sich dahinter in den allermeisten Fällen die Rachenmandel – also ein aktives Immunorgan.
Medizinisch spricht man von Adenoiden oder adenoiden Vegetationen. Dabei handelt es sich nicht um fremdes Gewebe, sondern um lymphatisches Gewebe, das Teil des kindlichen Immunsystems ist.
Gerade im Kindesalter ist die Rachenmandel besonders aktiv. Sie filtert die eingeatmete Luft, erkennt Krankheitserreger und hilft dem Immunsystem, angemessen zu reagieren. Dass sie dabei größer wird, ist zunächst kein Krankheitszeichen, sondern Ausdruck ihrer Arbeit.
Warum die Rachenmandel bei Kindern oft anschwillt
Kinder befinden sich immunologisch in einer Lernphase. Ihr Körper sammelt Erfahrungen, reagiert, passt sich an. Kommen mehrere Belastungen zusammen, kann die Rachenmandel dauerhaft unter Druck geraten und sich vergrößern.
Häufige Auslöser sind:
- wiederholte Infekte ohne ausreichende Erholungsphasen
- eine unausgeglichene Darmflora
- Nährstoffmängel
- trockene oder gereizte Schleimhäute
- dauerhafte Reizbelastungen
Die Symptome wie Mundatmung, Schnarchen, unruhiger Schlaf oder häufige Mittelohrentzündungen sind dann Folge einer Überforderung, nicht deren Ursache.
Muss eine Operation wirklich der erste Schritt sein?
Die Entfernung der sogenannten „Polypen“ wird oft als unkomplizierter Routineeingriff dargestellt. Was dabei selten besprochen wird: Mit der Rachenmandel wird ein wichtiger Filter für Atemluft und Keime entfernt – ausgerechnet in einer Phase, in der das Immunsystem noch reift.
Aus ganzheitlicher Sicht lohnt es sich daher, vor einer Operation zu prüfen, ob der Körper gezielt unterstützt werden kann, um die Rachenmandel zu entlasten.
Ganzheitliche Maßnahmen, die vor einer OP in Betracht kommen können
Je nach Situation können folgende Ansätze sinnvoll sein:
Eine Stärkung des Immunsystems auf systemischer Ebene, statt nur lokal zu behandeln.
Dazu gehört vor allem eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D, das die Immunreaktion reguliert und Überreaktionen dämpfen kann.
Die Unterstützung der Schleimhäute, etwa durch eine gute Versorgung mit Vitamin A und ausreichend Flüssigkeit, damit die natürliche Schutzbarriere stabil bleibt.
Ein Blick auf den Darm, denn hier wird ein Großteil der Immunreaktionen gesteuert. Eine ausgeglichene Darmflora kann das gesamte mukosale Immunsystem – einschließlich der Mandeln – deutlich entlasten.
Die Regeneration ernst nehmen: ausreichend Schlaf, Ruhephasen nach Infekten und ein insgesamt stressarmes Umfeld unterstützen die Rückbildung entzündlicher Prozesse.
Diese Maßnahmen ersetzen keine medizinische Abklärung, können aber helfen, dem Körper Zeit und Unterstützung zu geben, bevor ein irreversibler Schritt wie eine Operation erfolgt.
Warum „Polypen“ nach einer Operation wieder größer werden können
Viele Eltern sind verunsichert, wenn nach einer Polypen-Operation plötzlich wieder ähnliche Probleme auftreten. Das Kind schnarcht erneut, atmet wieder durch den Mund oder ist ständig erkältet. Schnell kommt dann die Frage auf: „War die Operation umsonst?“
Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Nein.
Aber es ist wichtig zu wissen, was bei diesem Eingriff tatsächlich gemacht wird.
Wenn das Gewebe wieder wächst
Die Rachenmandel ist Teil des Immunsystems. Ihre Aufgabe ist es, Keime abzufangen und das Abwehrsystem zu unterstützen. Gerade bei Kindern ist sie besonders aktiv, weil das Immunsystem noch lernt.
Wenn nach der Operation weiterhin viele Belastungen bestehen – zum Beispiel durch häufige Infekte, gereizte Schleimhäute oder ein insgesamt geschwächtes Immunsystem – kann die Rachenmandel wieder größer werden.
Das ist kein Fehler des Körpers, sondern ein Zeichen dafür, dass er weiterhin Schutzarbeit leisten möchte.
Was Eltern daraus mitnehmen dürfen
Eine Operation kann kurzfristig Erleichterung bringen, vor allem beim Atmen. Sie ersetzt jedoch nicht die Unterstützung des Immunsystems. Wenn sich die Lebensumstände des Körpers nicht verändern, sucht er sich neue Wege, um mit Belastungen umzugehen.
Deshalb lohnt es sich, nach einer Operation – oder besser noch davor – genau hinzuschauen:
👉Wie gut ist das Immunsystem insgesamt aufgestellt?
👉Bekommt der Körper alles, was er für seine Abwehr braucht?
👉Gibt es Möglichkeiten, ihn sanft zu entlasten?
Ein ermutigender Gedanke zum Schluss
Wenn Mandelgewebe wieder reagiert, bedeutet das nicht, dass etwas „schiefgelaufen“ ist. Es zeigt vielmehr, dass der Körper aufmerksam ist und versucht, sich zu schützen.
Eltern dürfen sich Zeit nehmen, Fragen stellen und gemeinsam mit Fachpersonen abwägen, welcher Weg wirklich sinnvoll ist – Schritt für Schritt und im Tempo des Kindes.
Die Mandeln, Schleimhäute und Darm – ein vernetztes System
Die Mandeln gehören zum sogenannten mukosalen Immunsystem – also zur Immunabwehr an den Schleimhäuten. Diese Schleimhäute sind die erste Verteidigungslinie des Körpers.
Ein entscheidender Punkt dabei:
Der Zustand der Schleimhäute hängt eng mit dem Darm zusammen. Ein Großteil des Immunsystems sitzt im Darm, und von hier aus wird gesteuert, wie ausgewogen oder überschießend Immunreaktionen ablaufen.
Die Rolle der Mikronährstoffe
Damit Mandeln ihre Aufgaben erfüllen können, braucht der Körper bestimmte Mikronährstoffe in ausreichender Menge. Sie sind keine Ergänzung „on top“, sondern biologische Grundlagen für eine funktionierende Immunregulation.
Besonders relevant sind:
👉Vitamin D
Es steuert die Immunantwort und hilft dem Körper, angemessen zu reagieren – nicht zu stark, aber auch nicht zu schwach. Ein Mangel führt häufig zu einem überreizten Immunsystem.
👉Vitamin A
Es ist essenziell für gesunde Schleimhäute. Ohne ausreichende Versorgung verlieren diese ihre Schutzfunktion, und Erreger haben leichteres Spiel.
👉Zink
Zink ist an nahezu allen Immunprozessen beteiligt. Es unterstützt die Regeneration und sorgt dafür, dass Entzündungen auch wieder abklingen können.
👉Omega-3-Fettsäuren
Sie wirken entzündungsregulierend und helfen dem Körper, Entzündungen kontrolliert zu beenden.
Mandelentfernung – schnelle Lösung mit Langzeitfolgen?
Die operative Entfernung der Mandeln wird häufig als unkomplizierte Lösung dargestellt. Kurzfristig kann sie Entzündungen im Rachen reduzieren. Was dabei oft übersehen wird:
‼️Der Körper verliert einen wichtigen Teil seiner lokalen Immunabwehr.
Nicht selten verlagern sich Beschwerden nach einer Entfernung – zum Beispiel in die Bronchien, Nebenhöhlen oder Ohren. Das Immunsystem sucht sich neue Wege, um Belastungen zu verarbeiten.
Das bedeutet nicht, dass eine Entfernung niemals sinnvoll ist. Aber sie sollte die letzte Option sein – nicht die erste.
📚 Wissenschaftliche Reviews über die Immunfunktion der Mandeln (Tonsillen)
🔹 Unveiling the Enigmatic Adenoids and Tonsils (Review)
Ein Überblick über die Rolle von Rachenmandel & Tonsillen im lokalen Immunsystem:
Unveiling the Enigmatic Adenoids and Tonsils (PMC)
🔹 Anatomy and physiology of palatine tonsils & adenoids
Fundierte Darstellung der Anatomie und Funktion dieser lymphatischen Organe:
Anatomy and physiology of the palatine tonsils, adenoids… (PMC)
🔹 Immunology of Tonsils and Adenoids
Klassischer immunologischer Artikeinblick in die Bedeutung dieser Gewebe für die Abwehr:
Immunology of tonsils and adenoids (PMC)
🧠 Studien und Übersichten zu Tonsillen und Immunsystem
🔹 The role of tonsils & adenoids as immune sentinels
Tonsillen sind erste Abwehrstationen gegen eingedrungene Erreger:
Mapping Human Immunity and the Education of Waldeyer’s Ring (Annual Reviews)
🔹 Immunologische Bedeutung von Tonsillen allgemein (Wikipedia als Einstieg & Referenzen)
Gibt einen guten Überblick mit weiterführender Literatur:
Tonsil – Aufbau und Immunfunktion (Wikipedia)
📊 Studien/Analysen zur Entfernung (Tonsillektomie/Adenotomie)
🔹 Tonsils and adenoids removal – immune effects
Diese Review diskutiert, welche Auswirkungen eine operative Entfernung auf die Immunantwort hat – mit gemischten Ergebnissen:
Effects of tonsillectomy and adenoidectomy on the immune… (PMC)
🔹 Langzeit-Immunfunktion nach Tonsillektomie
Diskussion zur langfristigen Immunfunktion nach Entfernung der Mandeln/Tonsillen:
Tonsils, adenoids, and long term immune function (ENT Bulletin)
🧒 Weiterführende praktische Infos (gesundheitsbezogen)
🔹 Vergrößerte Rachenmandel bei Kindern
Ein breit gefasster Überblick zu Ursachen, Anzeichen und Umgang:
Vergrößerte Rachenmandel – Gesundheitsportal Österreich
🔹 „Polypen“ & Rachenmandel bei Kindern
Erklärung, was damit gemeint ist, und wie das immunologisch einzuordnen ist:
Rachenmandeln (Polypen) sind Teil des Immunsystems (SBK)
Wichtiger Hinweis:
Die hier bereitgestellten Informationen dienen der persönlichen Weiterentwicklung und dem Verständnis ganzheitlicher Zusammenhänge. Sie ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Jede Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen geschieht in eigener Verantwortung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Unsicherheiten wende dich bitte an eine qualifizierte Fachperson.
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