Vitamin D, Parathormon & Vitamin K₂ – Wie dein Körper arbeitet, um die Knochengesundheit zu erhalten
Vitamin D spielt in fast allen Bereichen unserer Gesundheit eine zentrale Rolle. Es beeinflusst das Immunsystem, die Muskulatur, die Stimmung, den Energiehaushalt, den Hormonstoffwechsel und sogar Entzündungsprozesse.
Je länger ich mit Menschen arbeite, die Vitamin D auffüllen oder stabilisieren möchten, desto deutlicher erkenne ich: Dieser Nährstoff ist wie ein roter Faden, der sich durch den gesamten Organismus zieht.
Doch trotz dieser enormen Vielfalt gibt es einen Bereich, der ganz besonders sensibel auf Vitamin D reagiert – und bei dem kleine Ungleichgewichte große Auswirkungen haben können: die Knochengesundheit. Genau darauf möchte ich heute einmal den Blick richten. Denn hier zeigt sich so klar wie kaum anderswo, wie eng Vitamin D, Parathormon und Vitamin K₂ zusammenarbeiten – und wie sehr unsere Knochen davon profitieren, wenn dieses Trio im Gleichgewicht ist.
Über die Jahre hinweg habe ich unzählige Laborbilder gesehen und viele Menschen begleitet, die ihren Vitamin-D-Spiegel aufbauen wollten. Und immer wieder wurde mir bewusst: Starke Knochen sind kein Zufall.
Sie sind das Ergebnis eines fein abgestimmten Zusammenspiels, eines Stoffwechselprozesses, der manchmal mehr Zeit, Geduld und die richtige Balance braucht.
In diesem Artikel nehme ich dich genau in diesen Prozess mit hinein.
Vitamin D – der Türöffner für Calcium
Vitamin D ist der Nährstoff, der entscheidet, wie viel Calcium überhaupt in deinem Körper ankommt. Du kannst dir Vitamin D wie jemanden vorstellen, der die Tür im Darm aufschließt. Erst wenn dieser Schlüssel gedreht wird, kann Calcium verlässlich aus der Nahrung ins Blut gelangen. Sinkt der Vitamin-D-Spiegel, bleibt diese Tür nur angelehnt – selbst wenn du genügend Calcium zu dir nimmst. Der Blutspiegel sinkt, und der Körper wird alarmiert.
Parathormon – der Wächter deines Calciumspiegels
Genau an dieser Stelle tritt das Parathormon (PTH) auf. Es ist der Wächter des Calciumspiegels und reagiert sofort, wenn dieser abfällt. Du kannst es dir wie einen Sicherheitschef vorstellen, der ruft:
„Achtung, uns fehlt Calcium! Sofort gegensteuern!“
Damit das gelingt, schaltet PTH mehrere Mechanismen ein:
- Es löst Calcium aus den Knochen heraus.
- Es reduziert die Ausscheidung über die Nieren.
- Es aktiviert die Bildung von Calcitriol – der aktiven Form von Vitamin D –, damit der Darm wieder mehr Calcium aufnehmen kann.
Ein raffinierter Ausgleichsmechanismus, der uns schützt – aber nur kurzfristig. Wenn Vitamin D dauerhaft niedrig ist, arbeitet PTH im Dauereinsatz. Und dieser Dauereinsatz führt dazu, dass der Körper immer wieder an die Knochenreserven geht. Eine Art Dauer-Notprogramm, das langfristig die Knochen schwächt.
Vitamin K₂ – der Wegweiser, der Calcium an den richtigen Ort bringt
Während Vitamin D das Calcium ins Blut bringt, entscheidet Vitamin K₂ darüber, wohin dieses Calcium transportiert wird. Ich beschreibe K₂ gern als das Navigationssystem des Körpers. Es sagt:
„Bitte das Calcium zur Knochenbaustelle – und bloß nicht in die Gefäße!“
Dafür aktiviert K₂ zwei entscheidende Proteine:
- Osteocalcin, das Calcium im Knochen „festbetoniert“.
- MGP, das verhindert, dass Calcium in Gefäßen oder Weichteilen abgelagert wird.
Fehlt K₂, läuft der Calciumfluss unkontrolliert. Erst mit ausreichendem Vitamin K₂ arbeitet der Körper präzise und sicher.
Wann es Sinn macht, den Parathormon-Wert zu testen
Was ich anfangs noch nicht so verstanden hatte, hat sich im Laufe der Zeit immer mehr bestätigt: Der PTH-Wert ist oft der entscheidende Marker, wenn man wirklich verstehen möchte, wie der Körper mit Vitamin D umgeht, besonders wenn die Reaktion auf Vitamin D nicht so ist wie erhofft.
Er zeigt nicht nur an, ob der Calciumspiegel stabil ist, sondern vor allem, wie gut der Körper das vorhandene Vitamin D wirklich nutzt.
Wie sieht ein normaler PTH-Wert aus – und was sagt er dir wirklich?
Der Parathormon-Wert ist wie eine kleine innere Alarmglocke deines Körpers. Sie meldet sich, wenn zu wenig Calcium im Blut ankommt – und bleibt ruhig, wenn alles in Balance ist. Viele schauen nur auf ihren Vitamin-D-Wert, aber PTH ist oft der ehrlichere Sprecher des Stoffwechsels.
Der offizielle Referenzbereich liegt in den meisten Laboren ungefähr zwischen 15 und 65 pg/ml. Doch viel aussagekräftiger als die Zahl ist die Geschichte, die der Wert erzählt:
Ein niedriger bis mittlerer PTH-Wert fühlt sich an wie ein Körper, der sagt:
„Ich bin ruhig, zufrieden, versorgt – wir müssen an die Knochen nicht herangehen.“
Ein höherer PTH-Wert hingegen ist wie eine leise Sirene:
„Irgendetwas fehlt mir. Ich muss ausgleichen.“
Der Körper versucht dann, aktiv Calcium bereitzustellen – ein Zeichen, dass das Zusammenspiel aus Vitamin D, Calcium und den Co-Faktoren noch nicht harmonisch läuft. Kann nicht genügend Calcium mobilisiert werden, geht es leider an die Knochensubstanz.
Ein kleines Beispiel aus meiner Praxis
Vor kurzer Zeit begleitete ich eine Klientin, deren Vitamin-D-Wert mit 75 ng/ml eigentlich gut aussah. Aber sie fühlte sich nicht gut und ihr PTH lag hartnäckig im oberen Normbereich. Die Zahlen erzählten eine ganz andere Geschichte als erwartet:
Ihr Körper fühlte sich noch immer unterversorgt. Sie erzählte mir, dass sie Vitamin D nur zweimal in der Woche einnimmt, weil ihr das so geraten wurde. Magnesium nahm sie auch zu wenig.
Wir ergänzten Magnesium konsequent, optimierten K₂ und stellten auf eine tägliche Vitamin-D-Einnahme um. Vier Monate später kam der Moment, den ich so liebe:
Vitamin D stieg weiter an, auf nun 85ng/ml und PTH sank sichtbar ab – und sie berichtete, dass sich ihr Körper plötzlich ruhiger und „sortierter“ anfühlte.
Ein beruhigtes PTH ist oft das schönste Zeichen dafür, dass Vitamin D endlich wirklich ankommt.
Wenn der Vitamin-D-Spiegel einfach nicht steigen will – das Phänomen der Vitamin-D-Resistenz
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder Menschen, bei denen der Vitamin-D-Spiegel nur sehr langsam ansteigt – selbst bei Dosierungen, die normalerweise zügig wirken.
Anfangs wirkt das oft rätselhaft. Doch mit der Zeit erkennt man ein Muster: Der Körper reagiert zwar auf Vitamin D, aber nicht so sensibel, wie er könnte. Manchmal ist der Vitamin-D-Spiegel in Ordnung, doch das Parathormon bleibt hoch. Genau das weist auf eine verminderte Vitamin-D-Sensitivität hin, die man umgangssprachlich oft Vitamin-D-Resistenz nennt (obwohl ich den Begriff ganz und gar nicht mag!).
Vitamin D wirkt über Rezeptoren, die auf den Zellen sitzen – kleine Schlösser, die nur dann aufgehen, wenn Vitamin D als Schlüssel passt. Sind diese Schlösser durch lange Unterversorgung, Entzündungen oder Nährstoffmängel „schwergängig“ geworden, kommt das Signal nur gedämpft an.
Dr. Raimund von Helden nutzt dafür das Bild des „Freiputzens“ der Rezeptoren – ein anschauliches und erstaunlich zutreffendes Bild aus der Praxis. Ich habe selbst viele Fälle erlebt, in denen monatelang kaum etwas passiert und dann plötzlich – manchmal wie über Nacht – der Vitamin-D-Spiegel ansteigt und das Parathormon sinkt. Genau so, als ob die Rezeptoren nach langer Zeit wieder „aufwachen“ und endlich klar antworten.
Warum tägliches Vitamin D der Schlüssel ist – Erkenntnisse von Dr. Bruce Hollis
Eine der wichtigsten Erfahrungen – und gleichzeitig wissenschaftlich gut gestützt – ist die Bedeutung der täglichen Einnahme. Der renommierte Vitamin-D-Forscher Dr. Bruce Hollis fand heraus, dass der Körper Vitamin D deutlich besser nutzt, wenn es täglich zugeführt wird. Vitamin D wirkt wie ein feiner, regelmäßiger Impuls, den die Zellen täglich brauchen, um die Kommunikation klar zu halten.
Ich sehe das in der Praxis sehr häufig: Sobald Menschen Vitamin D täglich einnehmen, stabilisiert sich der Spiegel schneller, das Parathormon beruhigt sich, und die gesamte Calciumregulation wird harmonischer. Besonders bei Menschen mit verminderter Empfindlichkeit der Rezeptoren ist diese tägliche Versorgung oft ein entscheidender Wendepunkt.
Magnesium und Vitamin K₂ – die Co-Faktoren, die alles erst möglich machen
Über die Jahre hat sich eine Erkenntnis immer wieder bestätigt: Ohne ausreichend Magnesium und Vitamin K₂ bleibt die Wirkung von Vitamin D unvollständig. Magnesium ist notwendig, um Vitamin D überhaupt zu aktivieren. Ohne ausreichend Magnesium bleibt ein Teil des Vitamin D schlicht „stillgelegt“.
Vitamin K₂ wiederum sorgt dafür, dass das mobilisierte Calcium sicher im Knochen landet.
Man könnte sagen:
- Vitamin D bringt Calcium ins System,
- K₂ bringt es dorthin, wo es hingehört,
- Magnesium schaltet den gesamten Prozess frei.
Wenn alles zusammenspielt – entsteht innere Stabilität
Wenn Vitamin D täglich verfügbar ist, die Rezeptoren wieder sensibler reagieren und Magnesium sowie K₂ ausreichend vorhanden sind, beginnt der Körper, Calcium klug zu steuern. Das Parathormon darf sich entspannen. Die Knochen erhalten, was sie brauchen. Die Gefäße bleiben geschützt. Und der gesamte Stoffwechsel beginnt, ruhig und kraftvoll zu arbeiten.
Dieser Prozess braucht Zeit – aber er lohnt sich.
Denn sobald der Körper spürt, dass Vitamin D verlässlich und kontinuierlich zur Verfügung steht, funktionieren die Signalwege klarer, die Rezeptoren arbeiten geschmeidiger und der Nutzen für die Knochengesundheit wird deutlich spürbar.
Ich sehe das immer wieder in meiner Arbeit – und es gehört zu den schönsten Momenten, wenn Menschen, bei denen es zunächst etwas „holprig“ lief, erleben:
„Endlich versteht mein Körper, was ich ihm geben möchte.“
🔬 Relevante Studien & Veröffentlichungen zu Vitamin D, PTH & Vitamin K₂
1. Von Mühlen et al. (2005) – Vitamin D, Parathormon und Knochendichte
Diese Studie untersuchte über 600 postmenopausale Frauen und zeigte klar: Hohe PTH-Werte stehen in direkter Verbindung mit niedriger Knochendichte, während höhere Vitamin-D-Spiegel schützend wirken.
👉 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15928802/
2. Sai et al. (2011) – Vitamin D und PTH: Inverse Beziehung
Ein großer Review aus 70 Studien. Ergebnis: Je höher Vitamin D, desto niedriger PTH – allerdings ohne klaren Schwellenwert. Sehr hilfreich zur Begründung des PTH-Tests.
👉 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21159838/
3. Van Ballegooijen et al. (2017) – Synergie von Vitamin D und Vitamin K
Eine umfassende Übersichtsarbeit, die zeigt: Vitamin D und K₂ wirken synergistisch – für Knochen UND Gefäße. Besonders wertvoll für deinen Kombinations-Abschnitt.
👉 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5613455/
4. Ma et al. (2022) – Meta-Analyse zu Vitamin K₂ und Knochendichte
Auswertung vieler klinischer Studien: K₂ verbessert signifikant die Knochendichte bei Frauen nach der Menopause und kann das Frakturrisiko senken.
👉 https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpubh.2022.979649/full
5. Chen et al. (2024) – Vitamin D, PTH & Knochenstoffwechsel bei Frauen
Eine große Studie aus China: Hohe Vitamin-D-Spiegel → niedrigeres PTH → besserer Knochenstoffwechsel. Unterstützt genau deine Kernaussagen.
👉 https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnut.2023.1307896/full
6. Wang et al. (2025) – Vitamin D₃ + K₂ für bessere Knochenheilung
Klinische Studie mit eindrucksvollen Resultaten: Die Kombination D₃ + K₂ verbessert Knochenfusion, Knochenregeneration und Stoffwechselparameter.
👉 https://www.nature.com/articles/s41598-025-99922-9
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