Wenn Organe entfernt werden – ein kritischer Blick auf die Medizin
Einleitung – Verstümmelung in der Medizin
Es gibt Worte, die unbequem sind.
Nicht, weil sie falsch sind – sondern weil sie etwas sichtbar machen, das wir lieber nicht anschauen möchten.
„Verstümmelung“ ist so ein Wort. „Unnötige Operationen zur Entfernung von Organen“ ist eigentlich zu harmlos formuliert.
Ich verwende es hier nicht, um Ärztinnen oder Ärzte anzugreifen.
Und auch nicht, um Menschen zu verurteilen, die medizinische Eingriffe haben vornehmen lassen – oft in der Hoffnung auf Linderung, Sicherheit oder Heilung.
Ich verwende dieses Wort, weil es etwas beschreibt, das in der modernen Medizin erstaunlich normal geworden ist:
dauerhafte, irreversible Eingriffe in den Körper, die nicht aus akuter Lebensgefahr heraus erfolgen, sondern vorsorglich, routinemäßig oder aus Mangel an Zeit für echte Ursachenforschung.
Viele dieser Entscheidungen werden im Vertrauen getroffen.
👉Im Vertrauen auf Autoritäten.
👉Im Vertrauen darauf, dass man gut informiert wurde.
Und doch melden sich bei vielen Menschen erst nach dem Eingriff Fragen, Zweifel oder körperliche Folgen, auf die sie niemand vorbereitet hat.
❓Was, wenn manche dieser Eingriffe vermeidbar gewesen wären?
❓Was, wenn der Körper nicht der Feind ist, den man entfernen muss – sondern ein intelligentes System, das auf Überlastung, Mangel oder Dysbalance reagiert?
Dieser Beitrag lädt dazu ein, genauer hinzuschauen.
Nicht mit Angst.
Nicht mit Schuld.
Sondern mit dem Mut, wieder Fragen zu stellen – bevor etwas entfernt wird, das nicht wiederkommt.
Die Gebärmutter – Unnötige Operationen zur Entfernung statt Ursachenklärung
Kaum ein Organ steht so exemplarisch für dieses Thema wie die Gebärmutter.
Bei vielen Frauen wird sie entfernt wegen Myomen, Blutungsstörungen, Endometriose oder mit dem lapidaren Satz:
„Die Familienplanung ist abgeschlossen – dann kann sie auch raus.“
Was dabei oft mitschwingt, ist eine folgenschwere Vereinfachung:
Die Gebärmutter wird auf ihre Fortpflanzungsfunktion reduziert.
Als hätte sie danach keine Bedeutung mehr.
Doch die Gebärmutter ist hormonell aktiv, nerval hoch vernetzt und eng verbunden mit dem Beckenboden, dem vegetativen Nervensystem und der hormonellen Gesamtregulation. Viele Frauen berichten erst nach der Entfernung von Veränderungen, über die vorher kaum gesprochen wurde: Libidoverlust, emotionale Instabilität, chronische Schmerzen, Blasensenkung, vorzeitige Wechseljahresbeschwerden oder ein tiefes Gefühl von innerem Verlust.
Was in diesem Zusammenhang selten offen thematisiert wird, sind systemische Rahmenbedingungen.
Operative Eingriffe sind im medizinischen System klar vergütet. Gespräche, Ursachenforschung, begleitende Maßnahmen, langfristige Beobachtung oder ernährungs- und nährstoffbasierte Ansätze hingegen kaum.
Eine Operation ist planbar, abrechenbar und zeitlich effizient.
Ursachenklärung ist komplex, individuell und wirtschaftlich wenig attraktiv.
Das bedeutet nicht, dass einzelne Ärztinnen oder Ärzte „böse Absichten“ haben. Viele handeln nach bestem Wissen und Gewissen innerhalb eines Systems, das operative Lösungen belohnt und ganzheitliche Wege strukturell benachteiligt.
Gerade deshalb fehlt oft die zentrale Frage vor dem Eingriff:
❓Warum entstehen Myome?
❓Warum gerät der Zyklus aus dem Gleichgewicht?
❓Warum reagiert der Körper mit Wachstum, Blutungen oder Schmerzen?
Häufig spielen dabei eine Rolle:
- hormonelle Dysbalancen wie eine Östrogendominanz
- chronische Entzündungen
- Leberbelastung
- Nährstoffmängel
- Dauerstress und fehlende Regeneration
All das sind Faktoren, die zumindest hätten geprüft und begleitet werden können.
Stattdessen wird häufig direkt zur endgültigen Lösung gegriffen: Entfernung statt Verständnis.
Für viele Frauen kommt das Erwachen erst danach.
Wenn sie erkennen, dass mit der Gebärmutter nicht nur ein Organ entfernt wurde, sondern ein wichtiger Teil ihres inneren Gleichgewichts – in einem System, das für diese Folgen keine Verantwortung mehr trägt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
Kann man ohne Gebärmutter leben?
Sondern:
War dieser irreversible Schritt wirklich alternativlos – oder vor allem systemkonform?
Wenn Medizin ein Markt ist
Moderne Medizin findet nicht im luftleeren Raum statt.
Sie ist eingebettet in ein System aus Abrechnungscodes, Fallpauschalen, Zeitvorgaben und wirtschaftlichen Zwängen. In diesem System wird nicht alles gleich bewertet – und schon gar nicht gleich vergütet – und unnötige Operationen sind ein typisches Beispiel dafür.
Operative Eingriffe sind klar definiert, planbar und wirtschaftlich attraktiv.
Sie lassen sich abrechnen, standardisieren und in kurzer Zeit durchführen.
Gespräche hingegen, Ursachenforschung, individuelle Begleitung, Ernährung, Nährstoffstatus, Lebensstil oder präventive Maßnahmen sind zeitintensiv – und finanziell kaum abgebildet.
Das führt zu einer strukturellen Schieflage:
Nicht unbedingt das Beste für den Menschen setzt sich durch, sondern das Effizienteste für das System.
Studien legen nahe, dass viele operative Eingriffe und medizinische Leistungen nicht primär durch medizinische Notwendigkeit, sondern auch durch strukturelle Faktoren wie Vergütungssysteme und Routinen beeinflusst werden.
Dabei geht es nicht um böse Absichten einzelner Ärztinnen oder Ärzte. Viele arbeiten unter enormem Druck, mit engen Zeitfenstern und klaren wirtschaftlichen Vorgaben. Doch genau diese Rahmenbedingungen beeinflussen Entscheidungen – oft unbewusst.
Was dabei verloren geht, ist der Blick auf den Körper als zusammenhängendes, selbstregulierendes System. Symptome werden zu Problemen, Organe zu Störfaktoren, und Eingriffe zu Lösungen.
Wenn Medizin zum Markt wird, verschiebt sich der Fokus:
👉von Begleiten zu Beheben,
👉von Verstehen zu Entfernen,
👉von Prävention zu Intervention.
Dieses Kapitel ist kein Angriff – sondern eine Einladung, medizinische Entscheidungen immer auch im Kontext des Systems zu betrachten, in dem sie getroffen werden.
Die Mandeln – das vorschnell entfernte Abwehrorgan
Die Mandeln gehören zum lymphatischen System und sind damit ein aktiver Teil unserer Immunabwehr.
Sie sitzen strategisch genau dort, wo Krankheitserreger zuerst auf den Körper treffen – im Rachenraum. Ihre Aufgabe ist es, zu erkennen, zu reagieren und das Immunsystem zu trainieren.
Trotzdem gelten Mandeln in der medizinischen Praxis häufig als Problemorgan.
Wiederkehrende Entzündungen, vergrößerte Mandeln oder häufige Infekte führen nicht selten zur Empfehlung: raus damit.
Gerade bei Kindern wird diese Entscheidung oft früh getroffen – mit dem Versprechen, dass danach „endlich Ruhe ist“.
Was dabei selten ausreichend erklärt wird:
Mandeln entzünden sich nicht grundlos.
Sie reagieren auf eine dauerhafte Überforderung des Immunsystems.
Häufige Hintergründe sind:
- wiederholte Infekte ohne ausreichende Ausheilung
- Vitamin-D-Mangel
- Zink- und Eisenmangel
- chronische Entzündungsherde
- eine überlastete Darm-Immunschnittstelle
All das sind Faktoren, die das Immunsystem schwächen – und die Mandeln zu Dauerarbeit zwingen. Die Entzündung ist dabei kein Fehler, sondern ein Signal.
Wird dieses Signal dauerhaft „weggeschnitten“, verschwindet zwar das sichtbare Problem im Rachen. Doch das Immunsystem bleibt weiterhin unterversorgt und überfordert.
Viele Menschen berichten nach einer Mandelentfernung später von häufigeren Infekten der unteren Atemwege, Allergieneigung oder einer generell erhöhten Infektanfälligkeit.
Auch hier zeigt sich das bekannte Muster:
Die Entfernung eines Organs ersetzt nicht die Frage nach der Ursache.
Sie verschiebt das Geschehen lediglich an eine andere Stelle.
Besonders problematisch ist, dass bei der Entscheidung zur Mandelentfernung oft wenig Zeit für Aufklärung bleibt. Eine Operation ist schnell geplant, gut abrechenbar und gilt als Routine. Eine ganzheitliche Betrachtung des Immunsystems hingegen braucht Zeit – und findet im bestehenden System kaum Raum.
Die entscheidende Frage wäre deshalb nicht:
Sind die Mandeln das Problem?
Sondern:
Warum ist das Immunsystem dauerhaft so überlastet, dass die Mandeln reagieren müssen?
Unnötige Operationen zur Entfernung der Gallenblase
Kaum ein Satz fällt so häufig wie dieser:
„Die Gallenblase kann man problemlos entfernen – die braucht man nicht.“
Viele Menschen hören ihn kurz vor einer Operation, die als Routine gilt und selten hinterfragt wird.
Dabei ist die Gallenblase kein überflüssiges Organ, sondern ein fein abgestimmtes Speicher- und Regulationsorgan. Sie sammelt die von der Leber produzierte Galle, konzentriert sie und gibt sie genau dann dosiert ab, wenn Fett verdaut werden soll. Dieses Zusammenspiel ist entscheidend – nicht nur für die Verdauung, sondern auch für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie A, D, E und K.
Gallensteine entstehen nicht plötzlich und nicht grundlos.
Sie sind meist das Ergebnis eines länger bestehenden Ungleichgewichts:
eine überlastete Leber, zu wenig Bewegung, ungünstige Fettzusammensetzung in der Ernährung, Insulinresistenz, chronische Entzündungen oder auch Mikronährstoffmängel. Besonders häufig spielen Magnesium- und Taurinmangel eine Rolle – Faktoren, die selten geprüft werden, bevor zur Operation geraten wird.
Nach der Entfernung der Gallenblase berichten viele Betroffene erst, womit sie nun leben müssen: chronischer Durchfall, Blähungen, Fettunverträglichkeit, Nährstoffmängel, Reizdarmbeschwerden oder anhaltende Erschöpfung. Die Verdauung ist nicht „repariert“, sondern ihrer feinsten Regulation beraubt worden.
Auch hier zeigt sich das bekannte Muster sehr deutlich.
Der Stein wird entfernt, das Organ gleich mit – doch die Ursache der Steinbildung bleibt bestehen. Die Leber arbeitet weiter unter denselben Belastungen, der Stoffwechsel bleibt aus dem Gleichgewicht, nur fehlt nun ein wichtiges Puffer- und Steuerungsorgan.
Warum wird dieser Weg so häufig gewählt?
❗Weil er schnell ist.
❗Weil er technisch gut beherrschbar ist.
❗Und weil er sich wirtschaftlich klar abbilden lässt.
Eine langfristige Ursachenklärung – Leberentlastung, Ernährungsumstellung, Nährstoffversorgung, Stoffwechselregulation – erfordert Zeit, Begleitung und Geduld. Schon am Anfang – bevor sich die Probleme vermehren und die Steine richtig groß geworden sind.
All das passt nur schwer in ein System, das auf Effizienz und Intervention ausgerichtet ist.
Die entscheidende Frage wäre auch hier nicht:
Kann man ohne Gallenblase leben?
Sondern:
Warum war der Körper so aus dem Gleichgewicht, dass er überhaupt Steine bilden musste?
Zwischenfazit – immer dasselbe Muster
Ob Gebärmutter, Mandeln oder Gallenblase – die Beispiele unterscheiden sich auf den ersten Blick, doch das dahinterliegende Muster ist erstaunlich ähnlich – und unnötige Operationen sind das Ergebnis.
Ein Organ reagiert.
Nicht plötzlich, sondern über Monate oder Jahre.
Mit Wachstum, Entzündung, Schmerz oder Funktionsveränderung.
Diese Reaktion wird als Defekt interpretiert.
Als etwas, das beseitigt werden muss.
Was dabei häufig fehlt, ist der Blick auf das Warum.
❓Warum gerät ein Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht?
❓Warum ist das Immunsystem dauerhaft überfordert?
❓Warum ist die Leber so belastet, dass sie Gallensteine bildet?
Statt diese Fragen in den Mittelpunkt zu stellen, wird oft der schnellste Weg gewählt: der operative. Er ist technisch beherrschbar, wirtschaftlich klar geregelt und im System etabliert. Die langfristigen Folgen für den Menschen spielen dabei eine untergeordnete Rolle – nicht aus böser Absicht, sondern aus strukturellen Gründen.
Zahlreiche Studien sprechen von „Overtreatment“ – medizinischen Leistungen, die mehr Schaden als Nutzen bringen oder klinisch nicht gerechtfertigt sind. Forscher schätzen, dass bis zu 30 % aller medizinischen Leistungen unnötig sind und Patienten unnötig belasten können, körperlich wie finanziell.
Auffällig ist auch, dass nach der Entfernung eines Organs selten von „Heilung“ gesprochen werden kann. Häufig verschieben sich die Beschwerden, neue Probleme entstehen, und der Körper muss lernen, ohne ein wichtiges Regulations- oder Abwehrorgan zu funktionieren.
All das wirft eine entscheidende Frage auf:
Was wäre möglich, wenn medizinische Entscheidungen konsequent auf Ursachenklärung, Regulation und Unterstützung ausgerichtet wären – statt auf Entfernung?
Dieses Zwischenfazit ist kein Urteil.
Es ist eine Einladung, den Körper wieder als zusammenhängendes, intelligentes System zu betrachten – und medizinische Eingriffe nicht als erste, sondern als letzte Option zu sehen.
Die Prostata – wenn Angst schneller entscheidet als Verständnis
Kaum ein Organ ist so stark mit Angst aufgeladen wie die Prostata.
Ein erhöhter PSA-Wert, eine auffällige Tastuntersuchung oder ein unklarer Befund reichen oft aus, um eine Kette in Gang zu setzen, an deren Ende nicht selten eine radikale Entscheidung steht.
Die Botschaft lautet häufig: Lieber raus – zur Sicherheit.
Dabei ist die Prostata kein entbehrliches Organ. Sie ist zentral beteiligt an:
- der Samenflüssigkeit
- der sexuellen Funktion
- der hormonellen Balance
- der lokalen Immunabwehr
Und dennoch wird sie bei Verdacht oder Risiko nicht selten vollständig oder teilweise entfernt – oft, bevor alle Alternativen wirklich ausgeschöpft oder verstanden wurden.
Was viele Männer erst nach der Operation erfahren, sind die möglichen Folgen:
Inkontinenz, Impotenz, Verlust sexueller Identität, psychische Belastung. Einschränkungen, die tief in das Selbstbild und die Lebensqualität eingreifen – und die in Aufklärungsgesprächen zwar erwähnt, aber emotional kaum greifbar gemacht werden.
Besonders problematisch ist der Umgang mit dem PSA-Wert.
Ein erhöhter Wert ist kein Beweis für Krebs, sondern ein Hinweis auf Aktivität im Prostatagewebe. Diese Aktivität kann viele Ursachen haben: Entzündungen, hormonelle Dysbalancen, Stress, Mikronährstoffmängel, Vitamin-D-Mangel oder Zinkunterversorgung. Doch statt diese Faktoren differenziert zu betrachten, wird der Wert oft als unmittelbare Bedrohung interpretiert.
Auch hier wirkt das System verstärkend.
❗Screenings erzeugen Zahlen.
❗Zahlen erzeugen Handlungsdruck.
❗Handlungsdruck führt zu Intervention.
Eine engmaschige Begleitung, Ursachenklärung, Entzündungsreduktion oder ein abwartendes Beobachten mit Unterstützung erfordern Zeit, Vertrauen und ein anderes medizinisches Selbstverständnis. Die operative Lösung hingegen ist klar definiert, abrechenbar und gilt als aktiv handelnd – selbst wenn sie langfristig neue Probleme schafft.
Die entscheidende Frage wäre auch hier nicht:
Kann man ohne Prostata leben?
Sondern:
Wurde alles getan, um sie zu verstehen, zu entlasten und zu erhalten – bevor man sie entfernt hat?
Gerade bei der Prostata zeigt sich besonders deutlich, wie sehr Angst ein schlechter Ratgeber ist. Und wie wichtig es wäre, medizinische Entscheidungen nicht unter Druck, sondern auf Basis von Wissen, Differenzierung und echter Aufklärung zu treffen.
Zweites Zwischenfazit – wenn der Körper zum Risiko erklärt wird und unnötige Operationen die Folge sind
Die bisherigen Beispiele zeigen sehr deutlich:
Es sind nicht einzelne Organe, die „versagen“.
Es ist ein Denkmodell, das den Körper zunehmend als Risiko betrachtet – und nicht als intelligentes Regulationssystem.
Ob Gebärmutter, Mandeln, Gallenblase oder Prostata:
Immer wieder wird auf ein Symptom reagiert, ohne den Entstehungsweg wirklich zu verstehen. Wachstum, Entzündung oder Funktionsveränderung gelten als Fehler, nicht als Hinweis. Die logische Konsequenz innerhalb dieses Denkens ist Entfernung.
Auffällig ist auch, dass Angst eine zentrale Rolle spielt.
⚠️Angst vor Krebs.
⚠️Angst vor Komplikationen.
⚠️Angst davor, etwas zu „übersehen“.
Diese Angst wird nicht selten durch Zahlen, Grenzwerte und Wahrscheinlichkeiten verstärkt – oft ohne sie in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
Was als Vorsorge beginnt, endet dann in radikalen Entscheidungen, die das Leben dauerhaft verändern.
Hinzu kommt ein System, das Aktivität belohnt.
Abwarten, beobachten, begleiten, regulieren – all das gilt schnell als „Nichtstun“.
Operieren hingegen als entschlossenes Handeln. Dabei wird selten gefragt, ob dieses Handeln dem Körper wirklich dient oder vor allem dem Sicherheitsbedürfnis des Systems.
Was all diese Beispiele verbindet, ist ein stiller Verlust:
der Verlust an Vertrauen in die Fähigkeit des Körpers, sich zu regulieren, wenn man ihn unterstützt statt bekämpft.
Dieses Zwischenfazit ist kein Plädoyer gegen Medizin.
Es ist ein Plädoyer für eine Medizin, die wieder zuhört.
Die Fragen stellt, bevor sie schneidet.
Und die den Menschen nicht auf ein Risiko reduziert, sondern als Ganzes betrachtet.
Weitere Beispiele – immer dasselbe Prinzip
Der Blinddarm – „überflüssig von Geburt an“
Der Blinddarm, genauer der Wurmfortsatz, galt lange als funktionsloses Relikt. Heute weiß man, dass er Teil des Immunsystems ist und eine wichtige Rolle für die Darmflora spielt, insbesondere als Rückzugsort für nützliche Bakterien.
Trotzdem wird er bei unklaren Bauchschmerzen oft sehr schnell entfernt – manchmal auch prophylaktisch. Die Frage, warum das Immunsystem im Darmbereich so reagiert, wird dabei selten gestellt. Auch hier gilt: Der Körper sendet ein Signal, das mit Entfernung beantwortet wird.
Die Weisheitszähne – „machen sowieso Probleme“
Kaum ein anderer Eingriff wird so routinemäßig durchgeführt wie die Entfernung der Weisheitszähne – häufig schon im Jugendalter und oft ohne akute Beschwerden.
Dabei sind Weisheitszähne nicht per se problematisch. Enge im Kiefer, Fehlstellungen, zu weiche Nahrung in der Kindheit oder Mineralstoffmängel spielen eine große Rolle. Statt diese Hintergründe zu betrachten, wird vorsorglich entfernt. Ein strukturelles Problem wird so zur individuellen „Zahnfrage“ erklärt – und endgültig gelöst.
Bandscheiben-Operationen – wenn Schmerz weggeschnitten wird
Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Gründen für Operationen an der Wirbelsäule. Dabei sind Bandscheibenvorfälle oft das Resultat von jahrelanger Fehlbelastung, muskulärer Dysbalance, Bewegungsmangel, Entzündung und Stress.
Eine Operation kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein. Doch in vielen Fällen folgt sie sehr schnell – obwohl bekannt ist, dass die langfristigen Ergebnisse oft nicht besser sind als bei konservativen Maßnahmen. Der Schmerz verschwindet manchmal kurzfristig, das Grundproblem bleibt bestehen oder verlagert sich.
Diese drei Beispiele zeigen noch einmal in aller Kürze:
Nicht jedes Organ, das Probleme macht, ist das eigentliche Problem.
Und nicht jede technisch mögliche Lösung ist automatisch die beste.
Schlussgedanken – bevor etwas entfernt wird
Ich möchte mit diesem Beitrag nicht die Medizin verteufeln – obwohl die Kommerzialisierung schon sehr heftige Blüten treibt – nicht zum Wohle des Menschen.
Er ist eine Einladung, innezuhalten, bevor irreversible Entscheidungen getroffen werden.
Denn jedes Organ, das entfernt wird, hatte eine Aufgabe.
Jede Entzündung, jedes Wachstum, jeder Schmerz ist eine Reaktion – kein Zufall, kein Versagen, kein Defekt. Der Körper spricht. Die Frage ist nur, ob wir bereit sind zuzuhören.
‼️In einem System, das auf Schnelligkeit, Effizienz und Intervention ausgelegt ist, braucht es Mut, Fragen zu stellen. Mut, eine zweite Meinung einzuholen. Mut, Zeit einzufordern. Mut, sich nicht allein von Angst, Zahlen oder Routinen leiten zu lassen.
Internationale Initiativen wie „Choosing Wisely“ zeigen, dass Fachgesellschaften selbst klare Empfehlungen gegen Überversorgung und unnötige Eingriffe entwickeln.
Medizin kann Großartiges leisten.
Doch sie wird erst dann wirklich heilsam, wenn sie nicht nur entfernt, sondern versteht.
Wenn sie nicht nur reagiert, sondern begleitet.
Wenn sie nicht nur Symptome behandelt, sondern Ursachen ernst nimmt.
Vielleicht ist die wichtigste Frage vor jedem Eingriff nicht:
Was kann man entfernen?
Sondern:
Was braucht dieser Körper gerade wirklich?
Je früher wir beginnen, diese Frage zu stellen, desto seltener wird Medizin zur letzten, radikalen Lösung – und desto öfter zu dem, was sie eigentlich sein sollte: eine Unterstützung auf dem Weg zur Balance.
Wissenschaftliche Veröffentlichungen zu unnötigen Operationen & Überversorgung
Die kritische Betrachtung unnötiger Operationen ist kein Randthema. Zahlreiche internationale Studien, Fachgesellschaften und Initiativen weisen seit Jahren auf Überversorgung und unnötige Eingriffe hin.
1. Overtreatment – internationale Übersichtsarbeit
Ooi et al. (2020): The Pitfalls of Overtreatment: Why More Care Is Not Better Care
👉 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7747436/
Grundlegende Analyse zu Überbehandlung, unnötigen medizinischen Leistungen und systemischen Ursachen.
2. Überversorgung im deutschen Gesundheitssystem
IGES / Bertelsmann Stiftung (2019): Spurensuche Überversorgung
👉 https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV_Studie_Ueberversorgung_IGES.pdf
Zeigt, dass Überversorgung kein Randphänomen, sondern ein Strukturproblem ist.
3. Unnötige invasive Eingriffe und Patientenschäden
DuBois et al. (2017): Exploring unnecessary invasive procedures in the United States
👉 https://link.springer.com/article/10.1186/s13037-017-0144-y
Analyse zu physischen, psychischen und finanziellen Schäden durch unnötige invasive Maßnahmen.
4. Ärzte über Overtreatment (Befragungsstudie)
Lyu et al. (2017): Overtreatment in the United States
👉 https://pure.johnshopkins.edu/en/publications/overtreatment-in-the-united-states
Spannend, weil hier Ärzte selbst Überbehandlung benennen – inklusive ökonomischer Anreize.
5. Systematische Definition unnötiger medizinischer Leistungen
Derakhshan et al. (2023): Unnecessary Healthcare Services – A Systematic Review
👉 https://www.researchgate.net/publication/376044174_Presenting_a_Comprehensive_Definition_of_Unnecessary_Healthcare_Services_and_Their_Drivers_A_Systematic_Review_and_Meta-synthesis
Aktuelle Meta-Synthese mit klarer Definition und Ursachenanalyse.
6. Überdiagnose & Overtreatment bei Prostatakrebs
MDPI Review (2023): Overdiagnosis and Overtreatment in Prostate Cancer
👉 https://www.mdpi.com/2079-9721/13/6/167
Sehr passend zum Prostata-Kapitel (PSA, Angst, Vorsorge).
7. Internationale Initiative gegen unnötige Eingriffe
Choosing Wisely Campaign
👉 https://www.choosingwisely.org
👉 https://en.wikipedia.org/wiki/Choosing_Wisely
Von Fachgesellschaften selbst initiiert!
💚 Gesund bleiben – ganz natürlich!
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