Lipoprotein(a) – Leber, Gene und ein neuer Milliardenmarkt
Warum plötzlich alle über Lipoprotein(a) sprechen – und was wirklich dahintersteckt
Es gibt Gesundheitsbegriffe, die über viele Jahre niemanden interessieren, und dann eines Tages tauchen sie plötzlich überall auf – in Magazinen, Talkshows, Newsfeeds und Werbeanzeigen. Genau das passiert gerade mit Lipoprotein(a), kurz Lp(a).
Plötzlich klingt es wie der „neue große Risikofaktor“.
Einige nennen es den stillen Killer, andere behaupten, es sei das gefährlichste ungetestete Blutwert-Geheimnis.
Und klar: Wer das zum ersten Mal hört, fühlt sich verunsichert.
„Muss ich das testen lassen?“
„Warum hat mir das noch nie ein Arzt gesagt?“
„Bin ich vielleicht selber gefährdet?“
Doch bevor wir uns in Angst oder Hektik verlieren, schauen wir genauer hin. Denn hinter der Lp(a)-Welle steckt weit mehr als ein einzelnes Blutwertchen.
Es geht um Biologie, um Lebergesundheit, um medizinische Narrative – und auch um einen gewaltigen neuen Markt, der gerade vorbereitet wird.
Ich nehme dich mit – Schritt für Schritt, verständlich, kritisch und ganzheitlich.
1. Wo kommt Lipoprotein(a) eigentlich her? – Die Leber erklärt’s
Lipoprotein(a) ist nichts anderes als eine besondere Form von LDL-Cholesterin.
Es wird ausschließlich in der Leber hergestellt, und zwar aus zwei Bausteinen:
- ApoB-100, dem bekannten LDL-„Transportprotein“
- Apolipoprotein(a) – einer speziellen Proteinstruktur, die nur Lp(a) besitzt
Diese beiden Teile werden in der Leber zu einer Art „Spezial-LDL“ zusammengefügt.
Wie viel davon entsteht, hängt nicht von Ernährung oder Sport ab, sondern fast ausschließlich von deiner genetischen Ausstattung – genauer: vom LPA-Gen.
➡️ Deshalb schwankt Lp(a) kaum im Leben.
➡️ Deshalb kann man es nicht „wegessen“ oder „wegtrainieren“.
➡️ Und deshalb reicht theoretisch eine einzige Messung.
Aber:
Lipoprotein (a) ist nur dann ein Problem, wenn das Umfeld im Körper problematisch ist.
Denn Lp(a) ist kein „böses Molekül“.
Die Natur verschwendet keine Energie auf nutzlose Konstruktionen.
Es erfüllt eine Rolle – und zwar genau dort, wo Reparatur und Schutz gefragt sind:
- bei kleinen Gefäßverletzungen
- bei oxidativem Stress
- bei Entzündungen
- bei geschädigtem Endothel
Man kann es sich vorstellen wie einen Reparaturarbeiter, der immer dann ausrückt, wenn der Körper Gefahr sieht.
Das wird wichtig, wenn wir über Risiko sprechen.
2. Warum wird Lipoprotein(a) plötzlich so hochgespielt?
Die Frage ist spannend, denn Lp(a) ist seit Jahrzehnten bekannt.
Es ist weder neu entdeckt noch plötzlich gefährlicher geworden.
Und trotzdem erleben wir gerade eine regelrechte Lp(a)-Kampagne:
- Schlagzeilen warnen vor „plötzlichen Herzinfarkten trotz guter Blutwerte“
- Experten sprechen von „Dringlichkeit“
- Patienten werden verunsichert und wollen/sollen sich testen lassen
Diese Form der Kommunikation folgt einem Muster, das wir aus anderen medizinischen Themen kennen.
Das ist kein medizinischer Zufall. Das ist Strategie!
Denn während in der Öffentlichkeit das Gefühl entsteht, etwas Dringendes sei bisher verpasst worden, arbeitet die Pharmaindustrie längst an einer „Lösung“ – und zwar an einer komplett neuen Medikamentenklasse.
3. Die neue Therapieklasse: siRNA – Gen-Silencing in der Leber
Während Angst und Aufmerksamkeit steigen, stehen neue Medikamente kurz vor dem Markteintritt.
Alle gehören zur gleichen Technologie: siRNA (small interfering RNA).
Einige der Namen wirst du bald öfter hören:
- Olpasiran (Amgen)
- Pelacarsen (Novartis)
- SLN360 (Silence Therapeutics)
Was tun diese Medikamente?
Sie schalten die genetische „Bauanleitung“ für Apolipoprotein(a) aus.
Dazu blockieren sie die mRNA, die normalerweise das LPA-Gen ausliest.
➡️ Lp(a)-Produktion sinkt um 80–90 %.
➡️ Der Laborwert sieht plötzlich wie ein Wunder aus.
Aber das wirft eine entscheidende Frage auf:
Wird dadurch auch das Risiko gesenkt – oder nur der Laborwert?
Bis heute gibt es keine einzige Langzeitstudie, die zeigt, dass Menschen durch die siRNA-Senkung von Lp(a):
- länger leben
- weniger Herzinfarkte haben
- seltener Schlaganfälle erleiden
- oder insgesamt gesünder sind
Alle bisherigen Daten beruhen ausschließlich auf Zahlen, nicht auf echten Ergebnissen.
Und noch etwas:
Diese Technologie greift extrem tief in zentrale Regelsysteme ein:
- Lipidstoffwechsel
- Immunantwort
- Gerinnungssystem
- Leberstoffwechsel
- Reparaturmechanismen
Und trotzdem gilt diese Technologie bereits als „Hoffnungsträger“.
Warum?
Weil sie hochprofitabel werden könnte.
4. Warum deine Skepsis gegenüber siRNA berechtigt ist
siRNA ist kein kleines Pflaster.
Es ist ein Eingriff in biologische Grundmechanismen.
Und obwohl man betont, es sei „keine Gentherapie“, ist es funktionell genau das:
eine gezielte Veränderung der Genaktivität.
Genau diese Punkte werden in der öffentlichen Debatte selten erwähnt.
In einer Zeit, in der viele Menschen das Vertrauen in biotechnologische Eingriffe ohnehin verloren haben, wäre Transparenz wichtiger denn je.
Stattdessen wird eine neue Therapieklasse mit großem Marketingdruck aufgebaut.
5. Der wahre Risikofaktor ist selten Lipoprotein(a) allein
Ein hoher Lp(a)-Wert sagt nicht, dass man krank ist.
Er sagt nur, dass man eine genetische Konstellation hat, auf die der Körper reagieren kann – falls zusätzliche Belastungen dazukommen.
Genau diese Faktoren kann man beeinflussen. Und zwar heute, sofort, ohne Risiko.
6. Die Leber – das unterschätzte Bindeglied in der Debatte
Wenn wir über Lipoprotein(a) sprechen, sprechen wir über die Leber.
Sie ist das Zentrum für:
- Fette
- Entzündungsbotenstoffe
- Hormone
- Gerinnungsfaktoren
- Entgiftung
- Energiestoffwechsel
Wenn die Leber gestresst ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Lipidpartikel oxidieren, und genau dann werden sie gefährlich.
Also:
Der Wert sagt oft mehr über den körperlichen Zustand als über ein genetisches Risiko aus.
Und genau das wird in der derzeitigen Kampagnenkommunikation komplett ausgeblendet.
7. Was ist mit der Lipoprotein-Apherese? – Ein kurzer Blick
In besonders schweren Fällen kommt ein Verfahren zum Einsatz, das viele gar nicht kennen: die Lipoprotein-Apherese.
Sie funktioniert wie eine Blutwäsche und entfernt überschüssiges LDL und Lp(a) direkt aus dem Blut.
Nach der Behandlung sinken die Werte um 60–75 % – allerdings nur für wenige Tage.
Darum ist die Apherese:
- wöchentlich notwendig
- zeitaufwendig
- körperlich belastend
- extrem teuer
Sie wird nur eingesetzt, wenn bereits eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegt und alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sind.
Wichtig zu verstehen:
Die Apherese entfernt Lp(a), verändert aber nicht die Ursachen, die den Körper überhaupt dazu bringen, Reparaturmaterial in dieser Menge zu produzieren.
Darum bleibt sie ein Spezialverfahren – nicht der ganzheitliche Weg.
8. Fazit – Es geht nicht um Panik, sondern um Verständnis
Erhöhtes Lipoprotein(a) ist kein Todesurteil.
Es ist auch kein skandalös übersehenes Blutwert-Geheimnis.
Es ist ein genetisch festgelegtes Reparaturprotein, das nur dann zum Problem wird, wenn Entzündung, Leberstress und Gefäßschädigungen dazukommen.
Die aktuelle mediale Aufmerksamkeit dient weniger der Gesundheit als einem neuen Markt.
Und siRNA-Therapien sind ein technologisches Experiment – kein langfristiges Heilversprechen.
Das ist nicht spektakulär und bringt keine Milliardengewinne – aber es ist nachhaltig.
Nicht alles, was wir technisch können, ist biologisch klug.
📚 Quellen & weiterführende Literatur
1. Lipoprotein(a) in Cardiovascular Diseases and Emerging Therapeutic Strategies (2025)
Sehr aktueller Überblick zu Lp(a), biologischer Funktion, Risikoabschätzung und neuen Therapieansätzen.
👉 https://link.springer.com/article/10.1007/s10557-025-07810-1
2. Lipoprotein(a), an Independent Cardiovascular Risk Marker (Saeedi et al., 2016)
Grundlegende Arbeit zur Einordnung von Lp(a) als eigenständiger Risikofaktor.
👉 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5471681/
3. Lipoprotein Apheresis for Lipoprotein(a)-Associated Cardiovascular Disease (2016)
Klassische Studie zur Wirksamkeit der Apherese bei sehr hohem Lp(a) und kardiovaskulären Erkrankungen.
👉 https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/ATVBAHA.116.307983
4. Role of Lipoprotein(a) Reduction in Cardiovascular Disease (2024)
Aktuelle Übersicht über Risiken, therapeutische Strategien und Limitierungen neuer Eingriffe.
👉 https://www.mdpi.com/2077-0383/13/21/6311
5. Long-term Lipoprotein Apheresis Reduces Cardiovascular Events (2024)
Neue Daten zur langfristigen Wirkung der Apherese auf Herz-Kreislauf-Ereignisse.
👉 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S193328742400182X
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